Dialyse: Ernährung ist entscheidend

Weniger trinken, wenig Phosphat und Kalium, viel Eiweiß – Dialysepatienten müssen bei ihrer Ernährung einiges beachten. Aber nicht nur der Patient, sondern auch der Lebenspartner sollte sich mit der Ernährung an der Dialyse beschäftigen. Denn was für den Dialysepatienten nicht gut ist, kann für einen Menschen mit zwei gesunden Nieren sogar gesundheitsfördernde Wirkung haben.

Trinken: Weniger ist mehr

Ein gutes Beispiel ist die Trinkmenge: Während ein gesunder Erwachsener täglich etwa zwei Liter Wasser trinken sollte, dürfen Dialysepatienten oft nur 800 Milliliter plus die Ausscheidungsmenge trinken. Denn oft können die geschädigten Nieren nicht mehr soviel Wasser ausscheiden wie es nötig wäre. Zwar kann dem Körper bei der Dialyse neben Stoffen wie Phosphat und Kalium auch Flüssigkeit entzogen werden, aber erstens auch nicht beliebig viel und zweitens ist der Flüssigkeitsentzug für den Dialysepatienten extrem belastend und ermüdend. Es kann dadurch sogar zu Krämpfen kommen.

Viel Eiweiß

Wer lange Zeit mit schwachen Nieren gelebt hat und schließlich an die Dialyse gekommen ist, kann sich noch gut an die Empfehlungen seiner Ärzte erinnern, sich möglichst eiweißarm zu ernähren, um die Nieren zu schonen. Mit dem ersten Tag an der Dialyse ist es genau umgekehrt: Nun ist eine eiweißreiche Ernährung angesagt. Täglich 1,2 Gramm Eiweiß pro kg Körpergewicht werden von Ärzten empfohlen. Das sind bei 75 kg folglich 90 Gramm Eiweiß.
Der Grund für die Umstellung auf eine eiweißreiche Ernährung ist folgender: Kohlenhydrate (vor allem Zucker, Brot, Reis, Nudeln, aber auch Gemüse) liefern schnell Energie. Gibt es davon zu wenig, holt sich der Körper die Energie erst aus dem Eiweiß der Nahrung. Ist in der Nahrung nicht genug Eiweiß, geht er – bevor er die Fettreserven angreift – an das im Körper gespeicherte Eiweiß.
Dialyse-Patienten brauchen mehr Eiweiß als Prädialysepatienten, weil bei jeder Dialyse auch Eiweiß verloren geht. Wird nicht genug Energie über die Nahrung aufgenommen, beginnt der Körper Eiweiß aus den Muskeln abzubauen oder spart an anderen wichtigen Körperfunktionen, die Eiweiß verbrauchen (z. B. Abwehrkräfte, Transporteiweiß im Blut).

Phosphatarme Ernährung

Dialysepatienten erinnern sich häufig an den gestiegenen Juckreiz kurz vor der ersten Dialyse. Schuld daran war ein zu hoher Phosphatspiegel. Denn die Niere der Patienten verliert zunehmend die Fähigkeit, Phosphat auszuscheiden. Dadurch gerät der Kalzium-Phosphat-Haushalt aus dem Gleichgewicht.
Wer nicht mit der richtigen Ernährung gegensteuert, riskiert langfristige Schäden. Eine Folge ist die schleichende Entkalkung der Knochen, was zu brüchigen Knochen führt. Hinzu kommt, dass sich das Kalzium aus den Knochen mit dem überschüssigen Phosphat zu dem Salz Kaliumphosphat verbindet. Dieses Salz lagert sich im Körper ab und führt zu gefährlichen Blutgefäßverkalkungen. Dadurch reduziert sich auf lange Sicht die Transplantationsfähigkeit und es erhöht sich das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt.
Die phosphatarme Ernährung ist somit für Dialysepatienten immens wichtig. Was sich einfach anhört, ist in Wahrheit sehr schwer. Denn Phosphat ist in fast allen Grundnahrungsmitteln enthalten, vor allem in den eiweißreichen Lebensmitteln wie Ei, Fisch, Fleisch, Wurst und Milchprodukten. Das Problem: Dialysepatienten sollen vermehrt Eiweiß zu sich nehmen, aber sich gleichzeitig phosphatarm ernähren.

Phosphatbinder nicht zu vermeiden

Um ausreichend mit Eiweiß versorgt zu werden, kann auf Phosphatbinder nicht verzichtet werden, um die maximale Phosphat-Zufuhr von 1.400 Milligramm pro Tag nicht zu überschreiten. Phosphatbinder binden das Phosphat aus der Nahrung im Magen-Darm-Trakt. Das so gebundene Phosphat wird über den Stuhl wieder ausgeschieden. In der Regel müssen die Phosphatbinder getrennt von anderen Medikamenten zum oder vor phosphathaltigem Essen und Trinken eingenommen werden, auch zu den Zwischenmahlzeiten. Die Menge wird auf den Phosphatgehalt des Essens abgestimmt. Um nur möglichst wenig Phosphatbinder zu sich nehmen zu müssen, sollte die Ernährung jedoch bewusst phosphatarm sein.

Viel Eiweiß, wenig Phosphat: Wie geht das?

Sich gleichzeitig eiweißreich und phosphatarm zu ernähren ist ungefähr genauso möglich, wie hundert Meter zu schwimmen, ohne nass zu werden. In sämtlichen eiweißreichen Nahrungsmitteln ist auch viel Phosphat enthalten. Es ist zum Verzweifeln. Die Kunst besteht darin, Lebensmittel zu finden, die möglichst wenig Phosphat enthalten und gleichzeitig sehr eiweißreich sind. Pflanzliche eiweißhaltige Lebensmittel enthalten weniger Phosphat als tierische, gleichzeitig aber oft mehr Kalium.
Der Geheimtipp: Täglich größere Mengen an Eiklar essen. Anders als im Eigelb ist nämlich im Eiklar fast kein Phosphat, dafür aber ähnlich viel Eiweiß wie im Dotter. Ein angenehmer Nebeneffekt: Das schädliche Cholesterin ist ebenfalls im Eigelb, aber nicht im Eiklar enthalten. Daumenregel: Das Eiklar aus zwei Eiern entspricht ungefähr 20 Gramm Eiweiß.

Kalium kann gefährlich werden

Beim gesunden Menschen wird der Gehalt an Kalium im Blut über die Nieren reguliert. Das ist wichtig. Denn eine zu hohe Aufnahme von Kalium wäre sonst sehr schnell tödlich. Ein zu hoher Kalium-Wert führt zu Muskellähmungen, auch vom Herzmuskel. Die Folge ist daher ein Tod durch Herzstillstand.
Die Nieren von Dialysepatienten können das überschüssige Kalium nicht mehr ausscheiden. Um eine Kaliumvergiftung zu vermeiden, muss daher unbedingt auf die Ernährung geachtet werden. Zwar kündigt sich eine solche Kaliumvergiftung vorher an, doch oft werden die Anzeichen nicht wahrgenommen oder zu spät erkannt. Dazu gehören zum Beispiel Müdigkeit, niedriger Blutdruck, Hörstörungen, Taubheitsgefühl im Gesicht, steife Beine, Muskelzittern und langsamer Puls.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, muss auf eine kaliumarme Ernährung geachtet werden. Etwa 39 Milligramm pro kg Körpergewicht und Tag gelten noch als kaliumarm. Das sind für eine Person mit 70 kg Körpergewicht etwa 2.700 Milligramm pro Tag. Die tatsächlich mögliche Aufnahme von Kalium hängt zum größten Teil von der Restfunktion der Nieren ab. Genauso kann es sein, dass Dialysepatienten deutlich weniger Kalium zu sich nehmen dürfen. Das muss mit dem Arzt besprochen werden.
Sehr viel Kalium enthalten insbesondere Obst und Gemüse, wobei es hier auch große Unterschiede geben kann. Wahre Kalium-Bomben sind Bananen. Äpfel und Birnen haben hingegen nur wenig Kalium.

Dem einen oder anderen Dialysepatienten fällt es sehr schwer, sich kaliumarm zu ernähren. In diesem Fall müssen Kaliumbinder eingenommen werden, die überschüssiges Kalium im Darm binden und so aus dem Körper transportieren.
Wem es nicht gelingt, die Kalium-Zufuhr zu reduzieren, muss auf Kaliumbinder. Die meisten Dialysepatienten kommen jedoch ohne dieses Medikament aus.

Auf Salz verzichten

Wir essen heutzutage viel zu viel Salz. Das kann nicht nur für Dialysepatienten kritisch werden. Laut einer Studie der Harvard School of Public Health führt eine zu hohe Aufnahme an Natrium (Kochsalz besteht aus Natriumchlorid) jährlich zu mehr als einer Million Todesfälle weltweit. Der Studie zufolge nehmen 99 Prozent der Menschen weltweit zu viel Natrium zu sich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Zufuhr von 2 Gramm Natrium pro Tag – der weltweite Durchschnitt lag 2010 bei 3,95 Gramm. Das entspricht 9,9 Gramm Salz. In Deutschland gab es den Ergebnissen zufolge 2010 knapp 21.000 Todesfälle infolge einer zu hohen Natriumaufnahme, mehr als die Hälfte davon durch Erkrankungen der Herz-Kranz-Gefäße.
Zu viel Salz ist schädlich – nicht nur für Nierenkranke. Trotzdem ist die Aufnahme von Salz überlebensnotwendig. Schließlich sind wir entwicklungsgeschichtlich Lebewesen, die aus dem Meer kommen. Ohne Salz können unsere Körperzellen gar nicht funktionieren. Die benötigte Menge ist jedoch gering. Von Naturvölkern ist bekannt, dass sie weniger als ein Gramm Salz täglich aufnehmen und keine Mangelerscheinungen haben.
Da Salz in den meisten Lebensmitteln heutzutage enthalten ist, muss nicht die Angst bestehen, dass die Ernährung zu salzarm wird. Etwa 25 Prozent des täglich verzehrten Salzes stammt aus dem Grundnahrungsmittel Brot. Aber auch in Fleisch- und Wurstwaren (ca. 18 Prozent) und Käse und Milchprodukten (ca. 10 Prozent) ist viel Salz enthalten. Das zeigen die Daten der Nationalen Verzehrstudie II aus dem Jahr 2006. Eine moderate Senkung des Salzgehaltes in Lebensmitteln und Speisen kann deshalb einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Bluthochdruck und damit verbundenen Krankheiten leisten, mit denen Dialysepatienten in der Regel zu kämpfen haben.