Kaliumarme Ernährung: Diese 5 Tipps können Ihr Leben retten

Taubheitsgefühl, Muskellähmungen, Herzstillstand – ein zu hoher Kaliumspiegel kann schnell tödlich enden und ist somit eines der wichtigsten Themen, mit denen sich Dialysepatienten bei ihrer Diät auseinandersetzen sollten. Normalerweise sorgen die Nieren dafür, dass die Kaliummenge im Blut zwischen 3,6 und 4,8 Millimol pro Liter beträgt. Bei der chronischen Niereninsuffizienz kann der Körper das überschüssige Kalium nicht ausscheiden. Wenn über die Ernährung nicht gegengesteuert wird, kann es schnell zu einer Kaliumvergiftung kommen. Mediziner sprechen dann von einer Hyperkaliämie.

Kalium wird bei der Regelung des Wasserhaushaltes der Zellen benötigt, ist erforderlich bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen und für Muskelbewegungen und beeinflusst die Wirksamkeit vieler Enzyme. Bei der Kaliumvergiftung wird die Weiterleitung von Nervensignalen gestört. Muskellähmungen sind die Folge. Beim Herzmuskel bedeutet dies Herzstillstand und Tod.

Daran erkennen Sie eine Kaliumvergiftung

Vorboten einer Kaliumvergiftung sind Müdigkeit, Schwäche, Hörstörungen, „Metallgeschmack“ im Mund, niedriger Blutdruck, Taubheitsgefühl besonders im Gesichtsbereich, Muskelzittern, steife Beine, langsamer Puls, unregelmäßiger Herzschlag und gesteigerte Reflexe. Bei diesen Symptomen sollten Dialysepatienten sofort Kontakt mit Ihrem Arzt aufnehmen. Doch leider werden diese Anzeichen gar nicht oder zu spät wahrgenommen. Daher muss unbedingt vorgesorgt werden, damit es gar nicht erst soweit kommt. Eine kaliumarme Ernährung gehört daher zu fast jeder Diät für Dialysepatienten.

Insbesondere für Patienten, die zusätzlich an Diabetes erkrankt sind, ist die Regulierung des Kaliumhaushalts sehr wichtig. Es gilt zu beachten, dass Insulin nicht nur blutzuckersenkende Wirkung hat, sondern auch die Kaliumaufnahme in die Zellen befördert.

Soviel Kalium ist erlaubt

Der tägliche Kaliumbedarf eines gesunden Erwachsenen liegt bei etwa 2.000 Milligramm, wobei deutlich mehr aufgenommen werden kann, weil die funktionierenden Nieren dafür sorgen, dass der Rest ausgeschieden wird. Die kaliumarme Ernährung bei Niereninsuffizienz wird mit 39 Milligramm pro kg Körpergewicht und Tag definiert. Bei einem Körpergewicht von 70 kg ist das eine Menge von 2.700 Milligramm pro Tag. Wie kaliumarm die Ernährung sein sollte, hängt unter anderem von der Restfunktion der Niere ab. Abhängig von der Kaliumkonzentration vor der Dialyse muss eventuell die erlaubte Kaliumaufnahme auch auf Werte unter 2.700 Milligramm pro Tag reduziert werden.

Wem es nicht gelingt, die Kalium-Zufuhr zu reduzieren, muss auf Kaliumbinder zurückgreifen, die überschüssiges Kalium über den Darm aus dem Körper entfernen. Bei den meisten Dialysepatienten ist es jedoch nicht nötig, dieses zusätzliche Medikament einzunehmen. Es müssen nur die folgenden Regeln einer kaliumarmen Ernährung beachtet werden.

Tipp 1: Wenn kaliumreich, dann zu Dialyse-Beginn

Die Kalium-Beschränkung muss auch während der Blutwäsche eingehalten werden. Wer einen Heißhunger auf Kaliumbomben wie Bananen verspürt, sollte sie zu Beginn der Dialyse zu sich nehmen. So kann das Kalium noch während der Behandlung vom Darm ins Blut aufgenommen und von dort über die Kapillare herausdialysiert werden. Das funktioniert aber nur bei leicht verdaulicher Kost.

Tipp 2: Kaliumgehalt kennen

Zu hohe Kaliumwerte sind lebensbedrohlich. Daher sollten Sie für Ihre Diät wissen, welche Lebensmittel sehr kaliumreich sind. Dies gilt vor allem für Obst und Gemüse. Doch auch bei diesen Lebensmitteln gibt es wahre Kaliumbomben, aber auch Sorten, die kaliumarm sind. Trockenobst, also zum Beispiel Datteln, Feigen und Rosinen sollten gemieden werden. Eine hohe Menge an Kalium haben auch Bananen, Melone, Avocado, Bambussprossen, Brokkoli, Fenchel, Grünkohl, Spinat oder Pilze. Vorsicht geboten ist auch bei Kartoffel-Fertigprodukten wie Chips, Kroketten, Pommes frites und Kartoffeln mit der Schale. Statt Kartoffeln sollten Sie daher eher Reis oder Nudeln verwenden. Sehr kaliumreich sind auch Marzipan, Kakao, Melasse, Konzentrate wie Tomatenmark oder Ketchup sowie Nüsse und Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Bohnen.
Den Kaliumgehalt einzelner Nährstoffe können Sie im Internet leicht recherchieren. Sehr gut ist zum Beispiel die Datenbank von Dialyse.de. Dort sind rund 11.000 Lebensmittel mit ihren Kaliumwerten erfasst. Das hilft auch dem Lebenspartner, welche Nahrungsmittel beim Kochen gemieden werden sollten.

Bei den Wertangaben sollten Sie beachten, dass sich die Kaliumangaben in Milligramm jeweils auf 100 Gramm des jeweiligen Nährmittels beziehen. Die Datenbank basiert auf dem Bundeslebensmittelschlüssel. Dies bedeutet für Dialysepatienten: Werteangaben in irgendwelchen Tabellen-Werken sind im besten Fall Durchschnittswerte und bieten nur eine Annäherung an die wirkliche Nährstoff-Verteilung in Lebensmitteln. Deshalb kann es durchaus sein, dass Lebensmittel im Einzelfall viel höhere Kaliumgehalte haben als in der Dialyse.de-Nährstoff-Datenbank oder in anderen Wertetabellen angegeben.

Tipp 3: Diätsalz ist tabu

Diätsalz (Kaliumchlorid) wird beim Kochen häufig als Kochsalzersatz eingesetzt. Leider ist darin sehr viel Kalium enthalten. Dialysepatienten sollten es bei der Zubereitung ihrer Speisen daher nicht verwenden. Wenn Salz, dann richtiges.

Tipp 4: Kalium ist gut in Wasser löslich

Anders als Phosphate ist Kalium sehr leicht löslich. Sie können die Kaliummenge beim Kochen um 30 bis 50 Prozent senken. Dafür zerkleinern Sie die betroffenen Nahrungsmittel vor dem Garen. Danach kochen Sie das Kleingeschnittene mit viel Wasser und schütten das gesamte Wasser ab. In salzhaltigem Wasser löst sich Kalium nicht so gut. Sie sollten daher salzfrei garen und erst danach würzen und salzen. Tipp: Schwenken Sie das Gemüse in Butter oder einem leckeren Öl, braten Sie es eventuell kurz an und würzen und salzen erst dann. Ein paar Kräuter und Zwiebeln können ebenfalls verwendet werden. In tiefgekühltem Gemüse ist etwa ein Drittel weniger Kalium als in Frischgemüse enthalten, wenn Sie es vor der Verwendung auftauen und abtropfen lassen. Gekochte Früchte und Konservenobst ohne Saft hat 30 bis 50 Prozent weniger Kalium.

Statt dem Garen kann auch mit lauwarmem Wasser gewässert werden. Im Gegensatz zum früher streng empfohlenen 24-Stunden-Wässern reicht es meistens aus, Gemüse und Kartoffeln in reichlich Wasser zu garen. Wässern lohnt sich bei Kartoffelgerichten, die aus rohen Kartoffeln zubereitet werden (beispielsweise Reibekuchen, Pommes frites), oder bei kaliumreichem Gemüse, das man roh essen möchte (wie Karotten, Kohlrabi). Mit der richtigen Zubereitung wird auf diese Weise aus so mancher Kaliumbombe ein relativ kaliumarmes Lebensmittel.

Tipp 5: Eine Handvoll Obst oder Gemüse ist erlaubt

Früchte und Gemüse enthalten im rohen Zustand zwar viele Vitamine, sind aber für Dialysepatienten nicht so geeignet. Obst verzehren Sie am besten überwiegend gekocht als Kompott und ohne den Fruchtsaft. Eine Portion frisches Obst oder Gemüse von etwa 150 Gramm, das ist eine Handvoll, ist täglich möglich. Bevorzugen Sie kaliumarme Sorten. Dazu gehören: Birne, Apfel, Eisbergsalat, Chicorée, Chinakohl, Endivie, Feldsalat, Gurke, Kopfsalat, grüne Paprika, Radicchio, Radieschen, Weißkohl, Zucchini. Hiervon können Sie täglich eine Portion auch ungegart als Rohkost essen.

Kaliumarme Ernährung auf einen Blick

Für Dialysepatienten ist eine kaliumreduzierte Ernährung überlebenswichtig und somit für die tägliche Diät von großer Bedeutung. Bei zu viel Kalium kann schnell der Herztod einsetzen. Die tägliche Aufnahme von 39 Milligramm pro kg Körpergewicht ist erlaubt. Dialysepatienten sollten den Kaliummenge von gängigen Nahrungsmitteln gut kennen und sich entsprechend ernähren. Vor allem frische Nahrung wie Obst hat oft einen sehr viel höheren Kaliumgehalt als Fleisch. Wenn kaliumreich, dann möglichst nur an der Dialyse. Diätsalz sollte gemieden werden. Durch die richtige Zubereitung der Speisen, zum Beispiel durch das Wässern von Obst und Gemüse, kann der Kaliumgehalt um bis zu 50 Prozent gesenkt werden. Generell sollten Obst und Gemüse nur in geringen Mengen aufgenommen werden. Als Faustregel gilt: Täglich eine Handvoll ist für Dialysepatienten erlaubt. Um eine individuelle Beratung für eine kaliumarme Ernährung zu bekommen, nehmen Sie am besten Kontakt zu Ihrem Dialysezentrum auf.