Wie ich der Dialyse entkam…

Diese Autobiographie einer Selbstheilung macht jedem Nierenkranken Mut, die drohende Dialyse doch noch abwenden zu können. Der Autor dieses Buches stellte seine Ernährung von einem Tag auf den anderen radikal um und verbesserte dadurch seine Blutwerte deutlich. Sein Kreatinin lag bei 4,11 ml/dl und sein Nephrologe sah ihn bereits an der Dialyse. Die Schulmedizin diagnostizierte bei ihm eine chronische Niereninsuffizienz im Endstadium.

Rohkost statt Feuertopf

Doch Dieter Reinecker gab nicht auf. Statt blindlings auf die Meinung der Ärzte zu vertrauen, setzte er sich vor den PC und suchte im Internet nach den Ursachen und den Zusammenhängen zwischen der Krankheit und seinem Leben. Als erstes stieß er auf das Buch „Rohkost statt Feuertopf“ von Helmut Wandmaker, der selbst durch eine radikale Umstellung seiner Ernährung seinen Prostatakrebs in Schach halten konnte und fast 94 Jahre alt wurde. In dem Buch las er folgenden Satz, der sein Leben verändern sollte: „Der Deutsche Arnold Ehret war ein hundertprozentiger Befürworter von Obstnahrung. Er überwand damit sein langjähriges schweres Nierenleiden, das 24 Ärzte nicht heilen konnten.“ (S. 37). Für Reinecker war es ein Schlüsselerlebnis, das ihm Hoffnung gab. Er schreibt: „Ich fühlte mein Herz schlagen, bis zum Hals, ich war aufgeregt, angespannt und ich ballte meine Hände zu Fäusten. Für mich stand fest, diesen Weg werde ich gehen. Davon bringt mich keiner ab.“ (S. 37). Reinecker fing an, sich nur noch von Obst und Gemüse zu ernähren. Auf Alkohol, Kaffee, Tee, Brot und Nudeln verzichtete er komplett.

Brot: Der Stoff des Todes

Kurz darauf reiste er mit seiner Frau für ein paar Tage nach Mallorca. Dort machte er zwei wichtige Erfahrungen. Zum einen bekam er Heißhunger auf Spaghetti mit Tomatensauce. Nach der Aufnahme der Nudeln ging es dem Autor gar nicht gut: „Mein Traum musste mich in eine Sauna entführt haben, die von außen verschlossen war, so sehr war ich in Schweiß gebadet, als ich aufwachte. Mein Hemd war klatschnass und ich krümmte mich vor Schmerzen. Langsam fühlte ich, woher die Schmerzen kamen. Es war der Magen.“ (S. 53f.). Der Autor hatte seine Lektion gelernt und kam zu dem Schluss, nie wieder Spaghetti zu essen. Auch hierzu recherchierte er im Internet und fand auf Wikipedia heraus, dass Hartweizen, woraus Spaghetti hergestellt werden, sehr kleberreich ist und somit viel Gluten enthält. Gluten hat für die Backeigenschaft von Mehl eine zentrale Bedeutung. Weiter hieß es auf Wikipedia: „Bestandteile des Glutens können bei Menschen mit entsprechender Veranlagung zu Zöliakie führen, einer entzündlichen Erkrankung der Darmschleimhaut mit weitreichenden gesundheitlichen Folgen.“ Auch im Buch von Wandmaker fand der Autor Hinweise, die ihn darin bestärkten, keine Getreideprodukte mehr zu essen. Unter der Überschrift „Brot ist der Stoff des Todes“ heißt es dort: „Ein Hauptproblem der Brot- und Getreidekost beruht darauf, dass die Schäden erst spät auftreten und sich dann sehr schwer heilen lassen. Außer häufigen Katarrhen, Erkältungen, Verschleimungen, beginnenden Versteifungen, rheumatischen Muskelschmerzen, Magenbeschwerden – beispielsweise durch Sodbrennen und saures Aufstoßen – merkt man vorerst nichts.“ (S. 57).

Kein Alkohol

Die zweite Erfahrung war der Tod eines guten Freundes, den er auf Mallorca besuchen wollte. Er erfuhr, dass sein Freund Willy im Alter von 74 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben war. Er erinnerte sich, dass Willy regelmäßig Alkohol getrunken hatte. Der Tod seines Freundes bestätigte ihn in seinem Willen, nie mehr Alkohol zu trinken. In einem Gespräch mit seiner Frau kommt er zu folgendem Schluss: „Um es auf den Punkt zu bringen, ob es nun schön klingt oder nicht, aber meiner Meinung nach hat er sich totgesoffen, zwar langsam, aber kontinuierlich und todsicher. Willy hätte noch sehr viele Jahre gesund leben können. Er hat nicht geraucht und sich viel bewegt und draußen an seinen Häusern gearbeitet. Der kann einem wirklich leidtun.“ (S. 76).

Überdosis Vitamin C

Neben der Ernährungsumstellung auf Obst fand der Autor im Buch von Wandmaker einen weiteren wichtigen Hinweis: „Pauling wurde jahrzehntelang von seinen Kollegen unterstellt, er produziere mit dem Vitamin C nur Nierensteine und teuren Urin. Der US-amerikanische Biochemiker vermochte gegenüber seinen Kritikern den Beweis zu erbringen, dass 85 Prozent des zusätzlichen Vitamin C im Körper verbleiben und nur 15 Prozent über den Urin ausgeschieden werden. Damit verfügt der Organismus über ein umfangreiches Vitamin-C-Depot, und es bilden sich keine Nierensteine. Im Gegenteil – die Funktion der Nieren verbessert sich nach der Zufuhr von Vitamin C erheblich.“ (S. 67). Reinecker ging sofort in die nächste Apotheke und kaufte sich Vitamin C.

Bewegung ist wichtig

Zurück aus Mallorca begann Reinecker mit Sport. Zunächst machte er Hanteltraining, später kam wöchentliches Fußball- und Volleyball-Spielen hinzu. Mit seiner Gesundheit ging es spürbar bergauf. So verbesserte sich zum Beispiel sein Geruchsinn, den er durch die Arbeit in einer Farbenfabrik als Schüler verloren hatte. Auch seine Sehleistung verbessert sich wieder und so konnte er ohne Lesebrille Zahlen erkennen. Auch der typische Juckreiz war verschwunden und seine Haut verbesserte sich. Außerdem musste er nachts nicht mehr auf Toilette, sondern konnte durchschlafen.
Dann kam der große Tag, an dem er die neuen Blutwerte bekam. Kurz nachdem er seine Ernährung umgestellt hatte, war das Kreatinin bei 4,11 ml/dl. Nun lag es nur noch bei sagenhaften 2,8 ml/dl. Reinecker hatte es geschafft und die drohende Dialyse abwenden können.Sein Buch ist nicht trocken, wissenschaftlich und nüchtern, sondern lebendig, humorvoll, aufregend und spannend geschrieben. Obwohl der Titel bereits auf ein Happy End hinweist, gelingt es dem Autor, einen Spannungsbogen aufzubauen. Der Leser fiebert auf jeder Seite mit dem Protagonisten mit. Es ist beeindruckend, welche Willenskraft der Autor aufgebracht, um der Dialyse zu entkommen. Er gibt damit seinen Leidensgenossen eine echte Hoffnung, das Unheil abwenden zu können.
Abschließend sollte angemerkt werden, dass die Ratschläge aus diesem Buch für einen Dialysepatienten nicht ohne Absprache mit dem Arzt umgesetzt werden sollten. Die Ernährung von Dialysepatienten ist völlig anders als die Ernährung von Nierenkranken in der Zeit vor der Dialyse. Zu hoher Obst- und Gemüsekonsum führt bei Dialysepatienten zu hohen Kaliumwerten, die zu Herzstillstand ohne Vorwarnung führen können.

Buchcover: Wie ich der Dialyse entkam...
Titel: Wie ich der Dialyse entkam… – Die Autobiographie einer Selbstheilung
Autor: Dieter Reinecker
Verlag: Books on Demand
ISBN: 978-3-7322-8145-9
Seitenzahl: 152
Erscheinungsjahr: 2013